Dienstag, den 4. Mai 2010
Besuch des Kinderkrankenhaus in El Eskan. Ich wollte Dr. Hayder im zweiten Stock auf der Station für Neurologie und Psychiatrie treffen. Vor der Station standen viele Mütter und Väter mit ihren Kinder, die auf Einlass in die Sprechstunde warteten. Die Sprechstunde für die Ambulanz findet an 3 Tagen in der Woche für die neurologischen und psychiatrischen Fälle statt. Auf der Station geht es ordentlich zu. Es ist eine Strukturveränderung bemerkbar. Es ist ruhiger und nicht mehr so chaotisch. Es gibt ein Sekretärinnenzimmer, wo die Akten angelegt und aufbewahrt werden. Die Untersuchungszimmer sind jetzt voneinander getrennt. Dr. Hayder hat einen eigenen Untersuchungsraum genauso wie die Psychologin und die Neurologin. Auf der Station sind 6 große Vierbettzimmer: 4 für die neurologischen und 2 für die psychiatrischen Fälle. In der Ambulanz werden Termine vergeben. Es läuft viel besser und übersichtlicher ab. Alle Mitarbeiter sind stolz darauf.
Dr. Hayder zeigte mir das Heim für die autistischen Kinder. Es ist beeindruckend sauber. Die Patienten sind in kleine Gruppen aufgeteilt, die von mehreren Beschäftigungstherapeuten betreut werden.
Dr. Hayder zeigt mir das Schriftstück mit der offiziellen Freigabe des 1200 qm großen Grundstücks, das an das Kinderkrankenhaus grenzt und auf dem das psychotherapeutische Zentrum gebaut werden soll. Wir brauchen einen Geldgeber. Die Franzosen bauten eine Fachambulanz und die Spanier ein Ärztewohnhaus.
Donnerstag, den 5.Mai
Besuch des Gesundheitsministeriums. Dr. Hayder holte mich ab und wir fuhren gemeinsam in das Ministerium. Dr. Imad empfing mich auffällig herzlich und bedankte sich für unsere effektive Arbeit, wie er sagte. Er schätze jetzt die Arbeit unseres Vereins. Es scheint mir, dass ihn die Berichte über die Workshops beeindruckt haben.
Ich nannte unsere Bedingungen für den nächsten Ausbildungsgang, nämlich die Kostenübernahme der Flüge. Er erklärte sich damit einverstanden und versprach, die Genehmigung des Ministers einzuholen. Er äußerte zudem den Wunsch, an der nächsten Ausbildung teilzunehmen.
Er bedauerte die Ablehnung der Sozialarbeiter und der Krankenpfleger. Ich erklärte ihm, dass wir für diese Gruppe Extra-Workshops planen und dringend neue Kandidaten brauchen, die mit Kindern arbeiten. Es gibt genügend Ärzte und Psychologen.
Sein Wunsch war außerdem, dass der Termin für die nächste Ausbildung jetzt festgelegt wird, um die behördliche Planung, wie die Freigabe der Angestellten und die Beantragung der Visas und so weiter in die Wege leiten zu können
Dr. Imad erklärte, dass das Ministerium bereits mehrere Zentren aufgebaut habe. Neben der Kinderklinik mit Dr. Haider als Verantwortlichen, gibt es im Ostteil Bagdads, in Russafe, eine psychiatrische Klinik (Ben Rusched) mit Dr. Basim als Kinderpsychiater, den ich auch am 12.5. besucht habe. Er arbeitet nur mit Kindern. Als ich am Mittag bei ihm war, hatte er bereits 35 Kinder behandelt. Er hat nur eine Sekretärin als Hilfe und betreut zusätzlich das Kinderkrankenhaus El Ilwia . Er ist ein fleißiger und fähiger Mann. Er hat sich in die Kinderpsychiatrie eingearbeitet und ist als Lehrbeauftragter für die Kinderpsychiatrie für die Ärzte in der Ausbildung Kinderheilkunde, wie Dr. Hayder auch. Dr. Hayder hat einmal die Woche einen Fernsehauftritt, bei dem er über Probleme bei Kindern und Jugendlichen aufklärt und somit zur Bewusstseinsbildung der Bevölkerung beiträgt. Die Kinderpsychiatrie hat sich im Irak etabliert, dies ist vor allem dem Engagement Dr. Hayders und Dr. Basims zu verdanken. Das Krankenhaus Ben Rusched hat sich seit unserem letzten gemeinsamen Besuch mit Marianne und Dieter grundlegend zum Besten verändert.
Im El Karame Krankenhaus ist ein Traumazentrum entstanden, in dem überwiegend Kinder behandelt werden. Die Einrichtung dieses Zentrums wurde von den Holländern unterstützt. Dr. Imad hat Hayder, Basim und mich zu einem Arbeitsessen am 6.5. abends eingeladen. Es war ein Abend in netter Atmosphäre am Tigris in Kadhmia, an dem wir uns vor allem über die Gesundheitsversorgung im Irak sowie über die Arbeit der Ärzte unterhielten. Wir stimmten darin überein, dass es zwar immer noch chaotisch zugeht, zumal die behördlichen Kontrollen nicht richtig funktionieren, dass sich aber die Erkenntnis in die Notwendigkeit einer Kinderpsychiatrie immer mehr durchsetzt und damit auch der Ruf nach speziell ausgebildeten Fachärzten immer lauter wird.
Universitätpartnerschaft: Dr. Imad arrangierte ein Treffen mit dem Dekan der medizinischen Fakultät der Almustensiria Universität, Dr. Muhamed. Wir fuhren gemeinsam zu ihm. Dr. Imad würde gerne diese Partnerschaft eingehen und bat deshalb Dr. Najle, mit dem er vorher mehrmals darüber gesprochen hatte, eine Einverständniserklärung vorzubereiten, um diese dann dem Dekan der gesamten Universität zum Unterschreiben vorzulegen.
Donnerstag, den 17.5 .
Dr. Hayder und ich besuchten Herrn Streicher in der Deutschen Botschaft. Es gab keine Spur der Nervosität nach dem letzten Anschlag. Wir berichteten ihm über unsere Arbeit in Sulaimania und erklärten unser Vorhaben, auch in Bezug auf das BMZ. Er lobte uns und will uns auch helfen. Ich erklärte auch, was die Franzosen und die Spanier an dem Krankenhaus gebaut haben und wollte von ihm wissen, ob die Möglichkeit besteht, die Deutschen für eine Beteiligung am Bau des Zentrums zu gewinnen, da das Gesundheitsministerium uns nun das Grundstück zur Verfügung gestellt hat.. Er gab mir die Adresse der Firma, die die Krankenhäuser im Irak baut und meint, die deutsche Regierung wird uns auch helfen.
Ich verbrachte mehrere Tage vormittags in der Kinderklink und traf bei dieser Gelegenheit den Direktor, Dr. Kassim, sowie Najle, Majade, Adibe und andere Kollegen. Es ist viel zu Schreiben, aber die Hitze und die Hektik schlaucht mich und so werde ich bei unserem nächsten Treffen ausführlicher erzählen.
Resümee:
Der Irak braucht dringend Hilfe. Das Land hat Potentiale. .
Ein Zentrum als Behandlungs- und Trainingstätte wäre dringend erforderlich.
Alle erhoffen sich nach der Bildung der neuen Regierung eine weitere Verbesserung der Lebensverhältnisse.



