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Kriegskinder

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Schirin Khalik (BERLIN).


Während sich die UN-Soldaten mit scharfem Geschütz auf den Weg Richtung Nahost machen, bereiten sich die europäischen Ärzte der Organisation "Children of Baghdad" auf ihren nächsten humanitären Einsatz im November vor. Seit drei Jahren fahren sie regelmäßig nach Jor­danien oder Syrien, wo sie ihre zweiwöchigen Ärzteschulungen abhalten. „Children of Bagh­dad" ist eine Organisation, die sich insbe­sondere für irakische Kinder, die durch den Krieg oft depressiv und lethargisch geworden sind, einsetzt.

Mehr als 13 Millionen gibt es von ihnen, die meisten leben noch immer unter kata­strophalen Bedingungen. Die Kriege, die Be­satzung und die Wirtschaftssanktionen haben der Bevölkerung ein normales Leben unmöglich gemacht. Vor allem die Kinder leiden da­runter. Mehr als 40% von ihnen glauben, dass das Leben nicht lebenswert sei. Sie leiden unter Alpträumen und Angstzuständen. Eine Behandlung dieser psychisch kranken Kriegs­kinder gibt es nicht.

„Children of Baghdad" greift ein. Die 2003 nach Ende des 2. Golfkriegs von arabischen und europäischen Ärzten gegründete Orga­nisation verfolgt in Zusammenarbeit mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Uni Hamburg sowie der IPPNW das Ziel, Ärzte und Psychologen im Nahen Osten in Psycho­therapie speziell für Kinder- und Jugendliche auszubilden.

„Es ist enorm wichtig, dass Ärzte aus Kriegs­gebieten lernen, die traumatisierten Kinder in ihrem Land zu behandeln.", erklärt der Vorsitzende der Organisation Fakhri Khalik.

Alle drei Jahre nimmt die Organisation 25 Ärzte aus dem Nahen Osten zur Ausbildung auf. Sie stammen überwiegend aus dem Irak und Palästina, aber auch syrische und jordanische Ärz­te sind bereits an dem Projekt beteiligt. Un­ter ihnen einige Universitätsprofessoren, die demnächst an ihren Hochschulen Lehrgänge und Studienprogramme zu dem Thema einrichten wollen.

Insgesamt drei Jahre dauert die Fortbildung, an deren Ende die arabischen Ärzte einen Abschluss auf dem Gebiet der Psychotherapie für Kinder und Jugendliche erhalten.

Für viele Ärzte ist es jedoch nicht einfach, überhaupt an dem jährlichen Fortbildungs­zyklus teilzunehmen. Gerade die irakischen Ärzte begeben sich jedes Mal in Lebensgefahr, um die Fortbildungen zu besuchen. „Teil­weise sagen uns die Ärzte kurzfristig ab, weil sie Angst um ihre Familien haben und diese nicht über einen Zeitraum von zwei Wochen alleine lassen wollen", sagt Fakhri Khalik. Das die Ausbildung außerdem auch eine Herausforderung für die Lehrenden ist, steht fest. Denn oftmals sind die Ärzte, die zu der Fortbildung kommen, selbst trauma­tisiert und psychisch labil. ln Selbsterfah­rungsgruppen lernen sie, sowohl mit ihrer eigenen Belastung als auch mit den Anfor­derungen, die die Arbeit mit traumatisierten Kindern mit sich bringt, umzugehen.

Um jungen Ärzten schon frühzeitig einen Einstieg in die Psychotherapie für Kinder und Jugendliche zu ermöglichen, ist eine Kooperation der Uni Hamburg mit der Uni­versität in Bagdad geplant. „Leider ist die Situation im Irak noch zu gefährlich, als dass ein Austausch von Lehrenden zwischen den Universitäten derzeit möglich wäre. Aber so­bald sich die Situation entspannt, werden wir vor Ort arbeiten, um den Kindern eine möglichst gute psychologische Betreuung zu ermöglichen", bekräftigt Fakhri Khalik.

Das Interesse arabischer Studenten an einer Ausbildung zum Kinder- und Jugendpsychiater ist groß. Und auch die Zahl der bedürftigen Kinder in der Region steigt ständig. Nicht nur irakische, palästinensische und kurdische Kin­der benötigen jetzt dringend Hilfe, sondern auch die im Libanon und in Israel.

 
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